Bausachverständiger & Fachjournalist

Wärmedämmung von Außenwänden – wenn Fugen zur Feuchtigkeitsfalle werden!

Bei modernen Außenwandsystemen, insbesondere bei hochwärmedämmenden Mauersteinen, dämmstoffgefüllten Ziegeln und mehrteiligen Bauelementen, geben die Hersteller die Wärmedämmeigenschaften üblicherweise als rechnerische Werte für die gesamte Wandfläche an.

Die systembedingt vorgesehenen Fugen sind bei diesen Wärmedämmwerten bereits berücksichtigt.

Was dabei häufig unbeachtet bleibt:

Die rechnerische Berücksichtigung der Fugen hinsichtlich der Wärmedämmung bedeutet nicht automatisch, dass diese auch bauphysikalisch unbedenklich sind.

In der praktischen Bauausführung können insbesondere bei offenen oder unzureichend geschlossenen Stoßfugen mit Breiten von mehr als 5 mm zusätzliche bauphysikalische Probleme entstehen.

Durch den Temperaturunterschied zwischen warmer Innenraumluft und kalter Außenluft können im Bereich solcher Fugen örtliche Temperaturabsenkungen auftreten. Dringt warme, feuchte Innenraumluft in die Fugen ein und trifft dort auf ausreichend kalte Oberflächen, kann sich Kondensat bilden.

Die Folgen können Durchfeuchtungen innerhalb der Wandkonstruktion, Feuchtigkeitsschäden und – unter ungünstigen Bedingungen – auch Schimmelbildung im Innenbereich sein.

Hier muss deutlich zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Gesichtspunkten unterschieden werden:

Die rechnerische Wärmedämmung einer Außenwand ist das eine. Die tatsächliche bauphysikalische Funktionsfähigkeit der ausgeführten Wandkonstruktion ist das andere.

Eine Fuge kann hinsichtlich ihres Einflusses auf den Wärmedämmwert bereits rechnerisch erfasst sein und dennoch aufgrund ihrer tatsächlichen Breite, Ausbildung oder Luftdurchlässigkeit ein erhebliches Feuchtigkeitsrisiko darstellen.

Eine Fugenbreite von mehr als 5 mm führt allerdings nicht zwangsläufig zu Kondensat. Entscheidend sind das verwendete Wandsystem, die Herstellervorgaben und die konkreten bauphysikalischen Bedingungen.

Ein rechnerisch nachgewiesener Wärmedämmwert ist kein Nachweis dafür, dass eine Außenwand auch feuchtetechnisch mangelfrei ausgeführt wurde.

Herstellerangaben zu Wärmedämmwerten dürfen deshalb nicht mit einer generellen bauphysikalischen Unbedenklichkeit tatsächlich vorhandener Fugen gleichgesetzt werden.

Gerade bei hochwärmedämmenden Außenwandsystemen muss der fachgerechten Ausführung der Fugen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Denn eine rechnerisch berücksichtigte Fuge ist noch lange keine bauphysikalisch schadensfreie Fuge.

Bauqualität beginnt bei der fachgerechten Ausführung.

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