Bausachverständiger & Fachjournalist

Fertighäuser sanieren – ein Risiko?

Fertighäuser aus den 1970er-, 1980er- und frühen 1990er-Jahren sind inzwischen in einem Alter, in dem Sanierungsmaßnahmen zunehmend zum Thema werden.

Nicht jedes dieser Häuser ist automatisch sanierungsbedürftig. Häufig stehen jedoch Instandsetzungen an, Bauteile haben ihre vorgesehene Nutzungsdauer erreicht oder die Eigentümer wünschen Veränderungen hinsichtlich Wohnkomfort, Energieverbrauch oder Nutzung.

Dämmung allein ist noch keine Sanierung
Bei energetischen Sanierungen scheint heute häufig ein Grundsatz im Vordergrund zu stehen: Dämmung, Dämmung, Dämmung.
Doch eine fachgerechte Sanierung darf niemals allein unter dem Gesichtspunkt der Energieeinsparung geplant werden. Energetische Maßnahmen müssen immer gemeinsam mit der Bauphysik des vorhandenen Gebäudes betrachtet werden.
Das gilt in besonderem Maße für Fertighäuser in Holzrahmen- oder Holztafelbauweise. Hier müssen neben dem Wärmeschutz unter anderem Feuchteschutz, Luftdichtheit, vorhandene Bauteilaufbauten, Anschlüsse und die materialspezifischen Eigenschaften des Holzes und der verwendeten Werkstoffe berücksichtigt werden.
Wer lediglich die Dämmwirkung einzelner Bauteile verbessert, ohne zu untersuchen, wie sich dadurch das bauphysikalische Verhalten der gesamten Konstruktion verändert, kann neue Probleme schaffen, anstatt vorhandene zu lösen.

Fertighaussanierung erfordert spezielles Fachwissen
Der schwächere Baumarkt führt nach meiner Beobachtung als Bausachverständiger dazu, dass sich zunehmend Unternehmen mit der Sanierung älterer Fertighäuser beschäftigen – teilweise, ohne über ausreichende Erfahrung mit diesen speziellen Konstruktionen zu verfügen.
Genau hier sehe ich ein erhebliches Risiko.
Ein Fertighaus ist nicht einfach ein konventionell errichtetes Gebäude mit etwas mehr Holz. Die Konstruktionen und Schichtenaufbauten müssen verstanden werden. Eine Veränderung an einer Stelle kann Auswirkungen auf andere Bauteile und insbesondere auf den Feuchtehaushalt der Konstruktion haben.
Eine fachgerechte Fertighaussanierung verlangt deshalb Kenntnisse in mehreren Bereichen gleichzeitig: Holzbau, Leichtbau, energetische Sanierung und insbesondere Bauphysik müssen zusammengeführt werden.
Vor Beginn der Arbeiten sollte daher zunächst der Bestand fachkundig untersucht werden. Erst wenn bekannt ist, welche Konstruktionen tatsächlich vorhanden sind, in welchem Zustand sie sich befinden und welche bauphysikalischen Auswirkungen die geplanten Veränderungen haben, sollte ein Sanierungskonzept festgelegt werden.

Sanieren ja – aber nicht in die Falle geraten
Eine Sanierung kann sinnvoll und wirtschaftlich sein. Eine falsch geplante Sanierung kann dagegen teuer werden – insbesondere dann, wenn nach wenigen Jahren Schäden auftreten und bereits ausgeführte Arbeiten wieder geöffnet oder sogar vollständig zurückgebaut werden müssen.
Das Ziel darf deshalb nicht lauten, möglichst viel Dämmstoff in ein bestehendes Gebäude einzubauen. Das Ziel muss eine technisch funktionierende, wirtschaftlich sinnvolle und dauerhaft schadensfreie Gesamtlösung sein.
Richtig geplant, kann die Sanierung eines älteren Fertighauses den Wohnkomfort verbessern, den Energieverbrauch reduzieren und gleichzeitig dazu beitragen, die vorhandene Bausubstanz langfristig zu erhalten.
Fertighäuser können durchaus eine Lebensdauer von 100 Jahren und mehr erreichen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass notwendige Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen rechtzeitig und fachgerecht durchgeführt werden. Ein Sanierungsintervall in einer Größenordnung von etwa 30 bis 40 Jahren ist bei vielen Bauteilen und Konstruktionen ein sinnvoller Orientierungsrahmen – entscheidend bleibt jedoch immer der tatsächliche Zustand des jeweiligen Gebäudes.

Mein Rat als Bausachverständiger

Erst untersuchen, dann planen und erst danach sanieren.
Gerade beim älteren Fertighaus sollte vor einer energetischen Sanierung geklärt werden, wie die vorhandene Konstruktion aufgebaut ist, welche Schwachstellen bestehen und wie sich geplante Maßnahmen bauphysikalisch auf das Gebäude auswirken.
Denn eine gute Fertighaussanierung ist mehr als Energieeinsparung. Sie soll dafür sorgen, dass das Haus auch in den kommenden Jahrzehnten gesundes, behagliches, energetisch vernünftiges und wirtschaftliches Wohnen ermöglicht.

Sanieren: ja. Aber mit Sachverstand – und nicht in die Sanierungsfalle.

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