Wärmedämmverbundsystem (WDVS) – Pfusch bereits während der Ausführung erkennen
Für Bauherren ist die wichtigste Regel einfach:
Kontrollieren und dokumentieren, bevor die Dämmplatten an der Wand sind.
Danach ist die Art der Verklebung nicht mehr sichtbar.
Besonders auf folgende Punkte sollte während der Ausführung geachtet werden:
• Kleberauftrag kontrollieren:
Wird das vom jeweiligen WDVS-Hersteller vorgeschriebene Klebeverfahren eingehalten? Beim Wulst-Punkt-Verfahren muss insbesondere der umlaufende Randwulst vorhanden sein. Einzelne Kleberbatzen ohne fachgerechte Randverklebung sind ein Warnsignal.
• Klebefläche beachten:
Die vorgeschriebene wirksame Klebefläche muss erreicht werden. Maßgeblich sind die Vorgaben des Herstellers des eingesetzten WDVS.
• Hohlräume vermeiden:
Größere oder miteinander verbundene Hohlräume hinter den Dämmplatten können bauphysikalisch problematisch werden. Besonders kritisch sind Bereiche, in denen Luft hinter die Dämmebene gelangen und zirkulieren kann.
• Anschlüsse genau prüfen:
Fenster, Türen, Balkonplatten, Sockel, Dachanschlüsse und Dachüberstände gehören zu den besonders schadensanfälligen Bereichen. Bei fehlender Wulst-Verklebung kann Kondensat entstehen und bei Holzteilen zu Fäulnis führen. Die Dämmung ist in diesem Bereich dann wirkungslos und mit Folgen behaftet. Hier müssen die Ausführungsdetails konsequent eingehalten werden.
• Untergrund vorher untersuchen:
Gerade beim Altbau muss vor Beginn der Dämmarbeiten geklärt werden, ob vorhandener Putz und vorhandene Beschichtungen ausreichend tragfähig sind. Je nach Bestand können Haft- bzw. Abreißprüfungen erforderlich sein.
• Fotografieren oder filmen:
Sinnvoll ist eine systematische Dokumentation während der Arbeiten. Besonders wichtig sind Aufnahmen der Dämmplatten mit aufgetragenem Kleber unmittelbar vor dem Ansetzen an die Fassade sowie der ausgeführten Anschlussdetails.
• Im Zweifel Sachverständigen einschalten:
Eine unabhängige baubegleitende Kontrolle ist wesentlich einfacher und kostengünstiger als die spätere Untersuchung einer bereits fertiggestellten Fassade.
Mein Rat an Bauherren
Bei einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) sollte man sich nicht allein auf die später sichtbare, sauber verputzte Oberfläche verlassen.
Die entscheidende Qualität steckt hinter dem Putz – und genau dort ist sie nach Fertigstellung nicht mehr ohne Weiteres kontrollierbar.
Wer während der Ausführung die Verklebung, den Untergrund und die kritischen Anschlussbereiche kontrolliert und nachvollziehbar dokumentiert, schafft nicht nur zusätzliche Qualitätssicherheit. Er verfügt im Streitfall auch über wesentlich bessere Möglichkeiten, die tatsächliche Ausführung nachzuweisen.
Eine Fotodokumentation während der Bauphase kostet Minuten.
Eine nachträgliche Untersuchung einer mangelhaften Fassade kann dagegen erhebliche Kosten verursachen.

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